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Technik machts möglich

Häufig reizt die IT- und Kommunikationsfreaks vor allem der Charme des technisch Machbaren. Dagegen mangelt es ihnen oft an Weitsichtigkeit und Sinn für Wirtschaftlichkeit. Der Manager muss den für die strategischen Belange des Unternehmens richtigen Weg durch den Dschungel des Möglichen finden.

Alle Anzeichen sprechen dafür: Die Welt wird kleiner. Wir besuchen morgens eine Messe in Frankfurt, und wir können doch schon wenige Stunden später in New York - dank Zeitverschiebung - an einem Treffen teilnehmen. Wir telefonieren mit einem Gesprächspartner bei Westaflex Australien und informieren kurze Zeit später - per Fax oder EDI - unsere Niederlassung in Frankriech. Internationale Abkommen erleichtern zunehmend den weltweiten Handel und den Know-how-Transfer. Der Binnenmarkt bedeutet einen weiteren schritt in eine wirtschaftlich grenzlose Zukunft. Multilinguale Manager und multinationaler Firmengruppe, wie bei Westaflex steuern den Fortschritt, weitere Joint-ventures liegen voll im Trend. Unsere Welt wächst eng zusammen. Und doch, werden wir mit dieser Entwicklung so problemlos fertig?

Der Konkurrenzkampf in Industrie und Dienstleistung wird zunehmend härter. Die Innovationszyklen, vornehmlich im Bereich der Computerindustrie und Telekommunikation, verkürzen sich, und die Qualitätsansprüche steigen rapide. Die Konsequenz ist ein rascher Preisverfall der Produkte: zum Vorteil des Anwenders, zum Nachteil des Herstellers. Aber ist der Käufer glücklich in seiner unendlichen Entscheidungsfreiheit?

Vermutlich nicht. Falsche Investitions-Entscheidungen können ein Millionengrab für ein Unternehmen sein und, nebenbei, Kopf und Kragen der verantwortlichen Manager kosten. Die technischen Innovationszyklen in der Elektronikindustrie sind bereits auf ein Jahr abgesunken. Wie verhält es sich dagegen mit dem Bewußtseinszyklus der potentiellen Anwender? Selbst gestandene Informationsmanager fühlen sich in Anbetracht der Hülle und Fülle technischer Neuerungen leicht verunsichert und allein gelassen. Besonders dann, wenn ihre Mitarbeiter ihnen beinahe täglich neue Möglichkeiten in den schönsten (Bildschirm-)Farben präsentieren.

Dies wäre noch leichter, gäbe es verbindliche Normen und Standards. Seit langem laufen dahin gehende Bemühungen, aber aufgrund der erforderlichen internationalen Abstimmung und der zahlreichen Partikularinteressen, die es zu integrieren gibt, ist dies ein mühsamer Prozess. Die Industrie ist schneller: Es werden von starken Anbietern am Markt Fakten geschaffen und damit Industrie-Standards oder Quasi-Standards gesetzt.

Natürlich gibt es Beispiels für eine politisch initiierte, gelungene, internationale Normung. Denken wir nur an das berühmte Sieben-Schicht-Modell für die Computer-Kopplung der International Standard Organisation ISO. Oder nehmen wir den darauf aufbauenden, aber viel weiter reichenden EDIFACT-Standard für den elektronischen Datenaustausch EDI (electronic data interchange), auch wenn dieser viel zu spät geschaffen wurde. Die Automobilindustrie arbeitet beispielsweise bereits seit 1978 mit einem eigens vom Verband initiierten Standard. Diese Vorgaben mussten seinerzeit bei der EDIFACT-Konzeption dann mit einbezogen werden. Man sieht: In den meisten Fällen liegt die Industrie um Längen voraus.

Es liegt für mich auf der Hand, dass die Hersteller und Entwickler neuer Technologien einen Wissensvorsprung haben. Und doch tun sie sich sogar manchmal schwer, das gesamte Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten und Rationalisierungen zu überblicken. Deshalb sollte ein verantwortungsvoller Manager jedoch nicht zu dem Schluss kommen, es sei besser, abzuwarten und gar keine Investitionsentscheidung zu treffen. Die Vorteile, die durch den Einsatz moderner Informationstechnologie für ein Unternehmen erzielt werden können, überwiegen in den meisten Fällen die bestehenden Unwägbarkeiten. Wichtig ist nur die intensive Auseinandersetzung mit der Materie. Die technisch perfekte Lösung stellt nicht immer die praktikabelste oder gar wirtschaftlichste Variante dar.


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