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Benutzerspezifische Werkzeuge

Multimediale Unternehmenskultur

Interview im Rahmen einer Masterarbeit zum Thema: Social Media in der Unternehmenskommunikation. Möglichkeiten und Grenzen im B2B-Bereich. Fernstudium für die Hochschule Wismar, Bereich Marketing und Sales.

Was sind die wichtigsten Beweggründe für das Social Media Engagement Ihres Unternehmens?

Vielleicht DER Grund, überhaupt mit sozialen Medien zu interagieren ist, auf Augenhöhe mit unseren Anwendern sein zu wollen. Die Techniken des Web2.0 kann man vielleicht auch als Kultur-Werkzeuge verstehen: man sollte die Bedienung kennen, um sie zu nutzen. Es ist ein Dialog-Angebot anstatt eines ein-seitigen Web-Seiten-Auftritts.

In einer komplexeren Welt sehnen wir uns nach Bestätigung und Freundes-Hilfe aus Foren und (Online-)Gemeinschaften.

Während im B2B-Geschäft und dem 3-stufigen Vertriebsweg Produkt- und Preis-Transparenz absichtlich (vom Handel) nicht gewollt wird, ist ein Aufschlauen der Endkunden vor Messen üblich. Wir glauben, nur durch Offenheit und Kommunikation unsere Marke und Image aufrecht erhalten zu können. Daher setzen wir klar auf Open Source und Hersteller-neutrale Apps.

Man könnte aber auch sagen: mittlerweile herrscht im Privat-, wie im Berufsleben Normalität. Die Werkzeuge sind gleich.

 

Welche Social Media-Anwendungen sind Ihrer Erfahrung nach im B2B besonders erfolgreich und warum?

Die Bewertung erfolgreich hat den internen und externen Aspekt. Während viele Menü- und Verteiler-Funktionen nur noch Piktogramme sind, werden ERP-Systeme (noch) textlich mit Kommando-Befehlen gesteuert. So gesehen ist der beste Erfolg, wenn auch die internen Anwendungen auf einer Start-Portalseite grafisch zusammen geführt werden. Nur eine vereinheitlichte Oberfläche mit automatischen Daten- und Nachrichten-Übergängen hebt die traditionelle Trennung zwischen mobiler und stationärer Sichtweise auf.

Die Innovations-Geschwindigkeit externer, also bspw. Datenwolken-Anwendungen lässt die schrittweisen Anpassungen der eigenen Hausprogramme weniger erfolgreich und auf jeden Fall zu langsam darstehen. Der Wandlungs- und Anpassungsdruck kommt von aussen; tradierte Informations- und Nachrichtenwege oder Prozesse werden überflüssig.

Am erfolgreichsten waren bei uns jene Projekte, die aus Ideen des betrieblichen Vorschlagswesens stammten (Beispielsweise http://noscenda.de/).

 

Welche Herausforderungen hinsichtlich Social Media erleben Sie in Ihrem geschäftlichen Alltag mit Ihren Kunden?

Ganze Vertriebswege, Zwischenstufen, Abwicklungen und Verfahren werden durch Web2.0 Technologien in Frage gestellt. Unternehmen sind gewohnt Kommunikation zu steuern und (möglicherweise) zu kontrollieren. Das Verhältnis zu den Kunden und Lieferanten wird durch Flatrate-Techniken inniger und partnerschaftlicher, sofern die Unternehmenskultur die neuen Medien-Möglichkeiten annimmt.

Die Welt wird zum Dorf; Speed Dating und Video-Chat zur Normalität. Und das Smartphone zum Türöffner und Archiv.

Besonders der Mittelstand und Dienstleister bekommen ganz neue Breitenwirkung, sofern sie die Chancen als solche neugierig ergreifen und nutzen. Leider gibt es so recht keine Checkliste zur Einführung einer atmenden, flexiblen Organisation: der Weg beginnt mit dem Entschluss und begleitet jedermann innerhalb seiner Unternehmenszugehörigkeit ein Berufsleben lang.

Im Sinne unser Kunden bedeutet Soziale Medien Nutzung: denkbare Ideen werden gemeinsame, individuelle Produkt-Realität.

 

Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Punkte, die B2B-Unternehmen heute bei Social Media beachten müssen?

Die (a) Schrittfolgen des Gesunden Menschenverstandes und (b) die absolute Rückendeckung für die Mitarbeiter als Markenbotschafter auftreten zu dürfen, sind schon alle notwendigen Zutaten.

Erfolgreiches soziales und mediales Engagement entscheidet sich nicht durch umfangreiche Risiko-Betrachtung mit externer Hilfe, sondern durch tägliche Anwendung als Alltäglichkeit und integrativer Bestandteil. Die Medien-Kompetenz der Mitarbeiter ist zu stärken, damit diese sich genauso frei und kompetent bewegen können.

Die Wahl der richtigen Hilfsmittel, wie auch des Zeitpunktes wird dezentral am jeweiligen Arbeitsplatz und nicht mehr zentral durch die PR-Abteilung getroffen. Gleiches gilt übrigens auch fürs Social Monitoring mit umgehenden Freiräumen zur Handlung. Nur so werden soziale Medien gelebt; aus Skeptikern werden Erfolgsanwender.

Uns ist die unternehmerische Eigenverantwortung und das soziale Mithandeln wichtig.

 

Wie sieht es Ihrer Erfahrung nach mit der Social Media-Nutzung in Ihrer Branche allgemein aus?

Es vollzieht sich im wahrsten Sinne ein Generationswechsel. Bei jungen Fach- und Führungskräften gibt es sogar eine Erwartungshaltung in Bezug auf soziale Medien, der wir gern entsprechen.

Jede Organisation ist ein Wettstreit an Wünschen, Meinungen und Vorstellungen der Altersklassen, Geschlechter und Nationalitäten. Im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, sowie Nationen-Diversität sind die (neuen) sozialen Werkzeuge der Zusammenarbeit ein Segen. Nicht jedes Unternehmen in unser Branche hat diese Zusammenhänge bislang erkannt. Für den Inhabergeführten Mittelstand ein einmaliger Wettbewerbsvorteil um die klügsten Köpfe im Innovations-Management.

Insgesamt wünschen wir uns mehr Neugier und Lerneffekte bei unseren Kunden und Lieferanten - sicherlich trägt unser Fallbeipsiel als story telling dazu bei.

Je mehr Multimedia-Anwendungen (Wiki, Apps) und interaktive Hardware in die Berufswelt einziehen, desto selbstverständlicher sind mobile Glasscheiben ohne Tastatur und Spracheingabe.

 

Welche Vorteile sehen Sie für B2B-Unternehmen gegenüber B2C beim Social Media Einsatz?

Wenn es generell nur Produzenten und Konsumenten gibt, ist eine Zielgruppen-Aufteilung unglücklich. Wir sprechen daher schon von H2H, d.h. Human-to-Human Marketing mit all seinen Facetten. Kurz: Unsere Produkte werden von Menschen für Menschen hergestellt - wir schaffen individuelle Lebensräume.

Um diese zunehmende Individualisierung bei gleichzeitiger Baugruppen-Standardisierung überhaupt bewältigen zu können, müssen wir ganz nah am Markttrend sein. Ohr-am-Markt Werkzeuge ist ohnehin ein anderer Name für Social Media.

Möglicherweise wurden jedoch B2C Unternehmungen bereits sehr viel früher zu Marktanpassungen durch Social Media Transparenz genötigt. Das sagt jedoch nichts über Nachhaltigkeit der neuen Abläufe aus. Wenn in Unternehmen Sekretariate zugunsten selbst-schreibender und selbst-organisierender Abteilungsleiter umgewandelt wurden, werden jetzt Mitarbeiter zu Selbst-Bloggern und Ad-hoc Bedienern von Web-Redaktionssystemen.

Fazit: statt B2B und B2C nun ein generelles Selbst (schwedische Verhältnisse).

 

Was würden Sie anderen B2B-Unternehmen empfehlen, wenn es um die Entscheidung geht = Social Media - ja oder nein?

Es gibt kein zu spät oder zu klein. Ab heute ist der richtige Zeitpunkt, den Dialog zu starten, wenn auch die Kommunikations-Kanäle ganz neu sind. Das frühere Gespräch-beim-Bäcker, mit Austausch der Argumente über Wetter, Land und Leute, ist jetzt öffentlich.

Offenheit erzeugt Vertrauen und garantiert langfristigen Unternehmenserfolg, selbst in einer durch Patentstreitigkeiten geprägten Technikwelt. Vertrauen und Dialogbereitschaft sind ebenfalls Basis für Kooperationen mit Lieferanten.

Das Arbeitsleben (Vertrauens- und Lebens-Arbeitszeit) gestaltet sich neu, der Wandel ist nur durch Mitmachen zu konfigurieren. Ein multimediales Zurück findet nicht mehr statt, unsere digitale Gesellschaft ist Realität, wir sollten möglichst alle Mitglieder mitnehmen (Azubis, Rentner, Schüler usw).

Mit multimedialem Engagement wird ein Unternehmen nicht als abgehoben, sondern als sozial wahrgenommen. Wenn gerade Familien-Unternehmen durch ihre Mitarbeiter und wiederum durch ihre Familien abgebildet werden, ist Social Media angekommen: in der Normalität.

 

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