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ISO Handbuch

Pointiert formuliert: Wer seine Legitimation aus kilogrammschweren Organisationshandbüchern zieht, hat als Führungskraft versagt.

ISO-Organisationshandbücher haben genau einen Bestimmungsort: den Aktenschrank. Und zwar den verschlossenen. Wie ein Unternehmen oder ein Verantwortungsbereich tatsächlich funktioniert, mit seinen Macht- und Einflussstrukturen, mit seinen Partikularinteressen und den informellen Regeln - all das steht in keinem dieser Werke. Hierauf kommt es aber an. Organisationshandbücher sind (wahrscheinlich deshalb) allseits beliebt. Jeder hat sie. Der Anspruch besteht darin, zu beschreiben, wie die geschäftsbestimmenden Abläufe in einer Organisation aussehen. Dies wird dann minutiös auf mehreren Dutzend oder Hunderten Seiten festgehalten, durch unleserliche Grafiken unterstützt und fein säuberlich abgeheftet. Deckel drauf - und schnell ab in den Schrank. Erfahrene Praktiker spüren dagegen die ungeschriebenen Regeln auf, denn sie sind der Schmierstoff jeder Organisation. Sie geben Aufschluss über Machtverhältnisse und Partikularinteressen - von denen es häufig zu viele gibt. Mithilfe der ungeschriebenen Regeln lassen sich schließlich Konflikte identifizieren und lösen helfen.

Organisationshandbücher und auch die darin enthaltenen Organigramme dagegen sind unwichtig. Warum? Weil sie erstens die Außenwelt, insbesondere Kunden und Konkurrenten, komplett ignorieren. Weil zweitens Projekte und andere zeitlich befristete Organisationsformen, die in den meisten Unternehmen zunehmend wichtig werden, fehlen. Weil drittens Sitzungsorganisation, -zusammensetzung und -rhythmus fehlen. Vor allem aber weil viertens die wesentlichen Synergien, aber auch Konflikte und Reibungen eben nicht innerhalb der Kästchen stattfinden, sondern zwischen ihnen.

Die technokratisch-formalistische Unternehmensanalyse lenkt den Blick auf Organigramme und Stellenpläne.


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