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EDITEC weiter gedacht

Ohne Schnittstelle funktioniert auch die Verbindung zu Open Factory nicht, der entscheidende Unterschied zu EDI ist jedoch: Jedes Unternehmen benötigt jetzt genau eine davon, um Daten mit 500 oder 1000 verschiedenen Lieferanten auszutauschen. Außerdem könnten Infos über neue oder geänderte SHK-Artikel über My Open Factory automatisch an alle Beteiligten (Industrie und Handel) überspielt werden. Das bedeutet, dass mühsame Katalogrecherche ebenso entfällt wie die anschließende Aktualisierung und Pflege der eigenen Datenbestände per Hand.

Kann ein effektives Service-Angebot einem Industrieunternehmen helfen, seine Marktpositionen auszubauen? Ein Dienstleistungsangebot kann ein Alleinstellungsmerkmal sein, das die Wettbewerber nicht einfach kopieren können. My Open Factory ist eine solche „Killer-Anwendung“ zunächst erprobt als Plattform für Maschinenbauer, Zulieferer und Kunden. Sie standardisiert möglicherweise auch einmal den Austausch von SHK-Produkt- und Lieferdaten.

Die meisten Mittelständler in der Industrie arbeiten bei ihrem Lieferanten- und Kundenmanagement noch immer wie in der digitalen Steinzeit: Benötigt ein Unternehmen ein Vorprodukt, dass zuvor noch nie bestellt wurde, dann recherchiert ein Mitarbeiter die Artikelnummer zunächst über einen Online- oder konventionellen Katalog, gibt sie ins System ein, anschließend produziert die ERP Software ein Fax an den Lieferanten. Dessen Mitarbeiter hackt die darin enthaltenen Infos per Hand ins eigene System. Ist das Gewünschte lieferbar, geht ein Fax mit der Bestätigung und dem voraussichtlichen Liefertermin zurück an den Besteller. Der trägt das – natürlich wieder von Hand – in seinen Produktionsplan ein, der bei kleineren Mittelständlern oft nichts anderes ist als eine schlichte Excel-Tabelle. Diese Umständlichkeit liegt weder an bösem Willen noch an der viel beklagten IT-Rückständigkeit des Mittelstands. „Wir könnten uns Hunderte von Schnittstellen, die für eine automatisierte Kommunikation der Systeme notwendig wären, schlicht nicht leisten“, heißt es vielfach. Oft sind die eigenen Produkte hochkomplex und brauchen viele Vorprodukte. Insgesamt mit 20 000 verschiedenen Zukaufartikeln arbeitet durchschnittlich jedes Produktionswerk. Pro Jahr gibt ein solches Unternehmen rund 33.000 Bestellungen auf. Den Einkauf wickeln Mitarbeiter ab, die ständig an ihre Belastunggrenze stoßen: sie müssen zeitweise mehrere tausend offene Bestellpositionen im Auge behalten und verwalten. Und das betrifft nicht nur den Einkauf; die Verkaufsabteilung kämpft bislang ebenso mit derselben babylonischen Verwirrung.

Den Wettbewerbern geht es nicht anders: 85 Prozent der Unternehmen in der SHK-Branche haben weniger als 250 Mitarbeiter – und fast jedes von ihnen wickelt seine Transaktionen ein wenig anders ab. „My Open Factory“, ist nun eine Plattform, die für einen standardisieren, unkomplizierten Datenaustausch beispielsweise im Maschinenbau sorgt. Mit „EDI“ gibt es zwar bereits seit vielen Jahren ein Format, das erlaubt allerdings nur eine Eins-zu-eins-Kommunikation, eignet sich also nicht für den Austausch von Lieferinformationen zwischen mehreren Partnern.

Ohne Schnittstelle funktioniert auch die Verbindung zu Open Factory nicht, der entscheidende Unterschied zu EDI ist jedoch: Jedes Unternehmen benötigt jetzt genau eine davon, um Daten mit 500 oder 1000 verschiedenen Lieferanten auszutauschen. Außerdem könnten Infos über neue oder geänderte SHK-Artikel über My Open Factory automatisch an alle Beteiligten (Industrie und Handel) überspielt werden. Das bedeutet, dass mühsame Katalogrecherche ebenso entfällt wie die anschließende Aktualisierung und Pflege der eigenen Datenbestände per Hand.

Gefördert und angeschoben wurde das Projekt vom Bundeswirtschaftsministerium, der Kopf hinter der Idee ist Günther Schuh, Professor für Produktionssystematik an der Universität Aachen. Was My Open Factory von anderen Ansätzen zur Sofware-Integration unterscheidet, ist sein wirtschaftlicher Ansatz: Es soll kleinsten Firmen für wenig Geld den Zugang zu dieser Plattform ermöglichen. Möglich wird das, weil hinter Open Factory kein großer Softwarekonzern steckt, der möglichst einen eigenen, andere Wettbewerber verdrängenden Standard schaffen will. „Das entscheidende ist, das unser System keines der vorhandenen Systeme verdrängt, es schließt nur eine Lücke“, sagt Schuh. Betreiber von My Open Factory ist eine Genossenschaft, die Service und die Weiterentwicklung des Systems sicherstellt. Finanzieren wird sich das Ganze über Transaktionsgebühren, deren Höhe mit den Kosten für den Versand eines Faxes vergleichbar sein sollen. Hinzu kommt eine moderate Grundgebühr.

Die Hälfte aller Transaktionen in einigen Jahren über eine My Open Factory Plattform abzuwickeln, dieses Ziel wäre auch in der SHK-Branche erreichbar. Möglich wird das über das sogenannte Cockpit, eine Auftragsabwicklung, durch die auch Firmen an der offenen Fabrik teilnehmen können, die keine Produktplanungssoftware und kein ERP-System betreiben.

 
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