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Bitte keinen weiteren EDI Provider

Ich sehe für Tradeshift nur eine Chance als OpenSource Konzept, bei dem Geld durch geringe Vergütung für Apps generiert wird. Wer die vielen bisherigen etablierten EDI-Subsets beherrscht, braucht Tradeshift nicht.

Nach dem überstandenen Insolvenzverfahren  greift der Skype-Mitbegründer Morten Lund mit seinem neuen Unternehmen Tradeshift erneut an. Das Start-up digitalisiert mit einer kostenlosen Software Rechnungen, so dass sie nicht mehr ausgedruckt, verschickt und wieder elektronisch erfasst werden müssen.

In einer unperfekten Welt mit seinen Restmengen-Stornos, integrierte Sanktionslisten-Prüfung, Gutschriftsverfahren und Konsignationslager-Verrechnungen muss eine perfekte Lösung, wie Tradeshift oder DE-Mail scheitern. Ich habe das Bild des Reiters gewählt, der fest im Sattel bleibt, obwohl das Pferd wechselt.

Wechsel des Pferdes ist keine Innovation

Die Symbolik des Pferdes steht für das Transportmedium elektronischer Rechnungen. Rechnungen, die aufgrund deutscher Vorschriften archivierungspflichtig sind und mit sog. qualifizierter elektronischer Signatur, neben der Rechnungs-Sammelliste für den Vorsteuerabzug bürokratisch überfrachtet sind. Die “Milchmädchen Rechnung” bei elektronischem Versand Porto- und Kuvertierungsaufwendungen zu sparen, wird durch stetig neue gesetzliche Auflagen an fälschungssichere Dokumente erschwert. Ein Beispiel hier, der Vermerk Kopie, auf jedem Beleg der nicht Rechnungs-Original ist oder Rundungsfehler bei der Erzeugung von Papierbelegen aus elektronischen Positions-Rabatten. Morten Lund wird mit Tradeshift nicht nur in Deutschland scheitern.

Das Pferd steht auch für Einwahl-, Volumen- und Konvertierungskosten. Es bleibt der Sattel mit seinen normierten Nachrichten-Inhalten. Eben nicht nur der Rechnung, sondern auch Lieferschein, Gutschrift, Bestellung, Retoure, Lagerbestandsbericht usw..

Der Wechsel des Pferdes mittels Flatrate-Angeboten, ist (leider) nicht neu und schon längst nicht innovativ. Ich denke etwa an AS2- oder OFtp-Protokolle, als Alternative zu Volumen- und Einwahlfrequenz-Gebühren.

Herr Lund verkennt zudem die Vielzahl an Rechnungs-Dialekten, allein in Deutschland. So ist die Lebensmittel-Invoice (Eancom) gänzlich different zur Speditions-Rechnung. Die Varianten der Informations-Segmente bei staatlichem eBilling sind erst recht zu groß.

Herr Lund wird ebenfalls - schon beim Angebot der elektronischen Rechnung - scheitern, da deutsche Unternehmen zur Erreichung betriebswirtschaftlicher Losgrößen “nicht von jedem Dorf einen Hund erwarten” oder anders: auf Inhouse-Konvertersoftware setzen anstatt auf eine zunehmende Vielzahl an Providern und Transport- und Anbindungswegen. Spätestens internationale Unternehmen haben gerade ihre Nachrichtenbrücken oder Gateways konfiguriert und nicht auf Tradeshift gewartet.

Da ich annehme, dass Herr Lund nicht auf Excel unstrukturierte, sondern normierte EDIFACT Syntax setzen wird, ist bereits eine weltweit vorliegende Nachrichtenstruktur gegeben. WO ist die Tradeshift Innovation?

 

In einer Welt der häufig einseitig gesetzten EDI-Rabatte, wie im Automotive oder Baumarkt-Sektor, wird kein Lieferant “auf ein neues Pferd” setzen, das zudem keine Durchdringung finden wird. Maßgebliche EDI-Anwender im Banken-Zoll- oder Medienbereich haben ohnehin bereits Flatrate-Rechnungs-Clearingspartner.

Falls Tradeshift auf vereinfachten Im- und Export von Rechnungsdokumenten setzen sollte, so existiert hier schon das erfolgreiche myOpenFactory Nachrichtenformat im u.a. variantenreichen Maschinenbau mit Abbildung aller Abläufe der verlängerten Werkbank. Dieses Format wird schon heute durch namhafte Softwarehäuser, wie SAP, oxaion oder PSI Penta im Standard unterstützt.

Es heißt “der Köder muss auch dem Fisch schmecken” und genau hier wird Tradeshift scheitern; wie auch das DE-Mailprojekt der Bundesregierung. Natürlich ist der Rechnungsversand an Privatkunden für die GEZ oder Stromanbieter (EDI energy Format) aufwendig, aber wenn eine Mail-Rechnung keine deutlichen Preisvorteile bringt, WIESO sollte sie sich beim Verbraucher durchsetzen. In Deutschland soll DE-Mail zudem den Status eines Einschreibe-Briefes ermöglichen, was das Verfahren bürokratisch und Anwendungs-unfreundlich macht.

Ich erwarte ebenfalls, dass bspw. Sondervorteile der Telekom im ELFE-EDI Format zugunsten einer Marktbereinigung fallen müssen. Der Hinweis auf Dänemark oder womöglich andere EU-Länder seitens Herrn Lund als Referenz, ist leider ebenso aussagelos, wie die Annahme einer EU-weiten Maut-Technologie. Die Normierung der Daten ist längst gegeben, man braucht “das Rad nicht noch einmal erfinden”.

Geld verdienen kann Herr Lund nur als Dienstleistungs-Monopolist. DAS würde ich Deutschland nicht wünschen, es sei denn wir möchten Abhängigkeiten wie bei Covisint in der Automobil-Industrie.

Ich sehe für Tradeshift nur eine Chance als OpenSource Konzept, bei dem Geld durch geringe Vergütung für Apps generiert wird. Wer die vielen bisherigen etablierten EDI-Subsets beherrscht, braucht Tradeshift nicht. Einzig Akzente, wie einst durch Skype kann Tradeshift setzen. Zu mehr fehlt “dem neuen Pferd” eben die eigentliche Innovation….!!

 
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